Dienstag, 17. Januar 2017

[Sammelrezension] Vom Studieren und Leben

Meine ersten beiden Rezensionen für dieses Jahr kommen noch zu Büchern, die mich im letzten Jahr begeistern konnten. Auch, wenn seit dem Lesen bereits etwas Zeit vergangen ist, denke ich noch immer mit Vergnügen an sie zurück, so dass ich mir nun die Zeit nehmen mag, sie auch zu präsentieren:


Studierst du noch oder lebst du schon? | Tiphaine Rivière | Knaus Verlag | Taschenbuch | 184 Seiten | 19,99€ | ✼✼✼✼

Klappentext
Endlich geht ihr großer Traum in Erfüllung: Jeanne wird als Doktorandin angenommen. Voller Enthusiasmus - und völlig ahnungslos - stürzt sie sich in die Arbeit. Doch schon bald wird klar: Das Leben als Wissenschaftlerin ist der reine Wahnsinn…

Meine Meinung
Studierst du noch oder lebst du schon ist die erste Graphic Novel, die ich gelesen habe. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass es in diesem Genre nichts so richtig gibt, was mich interessieren würde. Doch dann erzählte mir Sandra von diesem Buch und da ich selbst gerade erst mein Studium angefangen hatte, klang es für mich doch sehr vielversprechend! (Hier kommt ihr zu Sandras Rezension.)
Ohne mir groß den Klappentext oder andere Meinungen durchzulesen stürzte ich mich in diese neue Erfahrung und war damit ungefähr so vorbereitet, wie Jeanne selbst. Doch von Anfang an konnten mich ihre Geschichte und nicht zuletzt auch die Aufmachung überzeugen. Sehr humorvoll in Bild und Sprache wird die Geschichte einer Doktorandin erzählt, sodass man sich am Liebsten gleich an die eigene Promotion setzen möchte… nicht. Ein Leben zwischen Uni und Alltag und das gerade für eine junge Frau, die selbst bereits mitten im Leben stand. Keine einfache Aufgabe, sowohl für die Protagonisten, als auch für die Autorin. Doch gerade letztere meistert es wunderbar die eine oder andere Hürde zu überspringen und so selbst vermeintlich langweilige Themen, wie
"Das labyrinthische Motiv in der Türhüterparabel in Kafkas Prozess"
unterhaltsam und künstlerisch darzustellen. Hin und wieder, als kleiner Kritikpunkt, hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Abwechslung gewünscht, was die Handlung betrifft, denn auch wenn es nie langweilig war, gab es hier und da leichte Tiefpunkte (Betonung liegt auf leicht.).
Zur Protagonistin lässt sich viel sagen, da sie eine ziemliche Entwicklung innerhalb der Graphic Novel durchmacht. Es hat mich wirklich überrascht, wie stark sie diese Veränderungen durchlebt. Teilweise war sie mir wirklich sehr sympathisch, aber gerade in ihren tiefsten Motivationstiefs empfand ich sie auch schon mal als sehr nervig. Nicht, dass man ihre Beweggründe nicht nachvollziehen konnte, das war durchaus der Fall und natürlich war dies auch beabsichtigt, denn ungefähr so, wie der Leser sie empfindet, empfindet sie auch das jeweilige Umfeld zu dem Zeitpunkt. So wird dieser scheinbare Kritikpunkt in meinen Augen schon wieder zu einem Plus, denn anders als sonst so oft ist es hier tatsächlich gewollt die Art der Protagonistin auch einmal nicht zu mögen. Allgemein also eine wirklich innovative und erfischend andersartige Geschichte!

Auch, wenn dieses Buch also nicht unbedingt das perfekte Geschenk für alle ist, die gerade mit ihrer Doktorarbeit beginnen, hat es durchaus seinen Charme und regt mich nicht zuletzt dazu an in Zukunft öfter mal einen Blick in die Graphic Novel Abteilung zu werfen.

✼ ✼ ✼ ✼

Danke an den Knaus Verlag für dieses amüsante Rezensionsexemplar!



More Letters of Note - Briefe für die Ewigkeit | Hrsg. Shaun Usher | RandomHouse audio | Hörbuch | 440 Seiten | 3h 49min | 19,99€ | ✼✼✼✼✼

Klappentext
Shaun Usher hat erneut in den Archiven der Welt recherchiert und unglaubliche Briefe ans Tageslicht befördert. 
Ergreifende Liebesbriefe, hochkomische Korrespondenzen oder auch völlig skurrile Schriftstücke. So etwa Richard Burtons Abschiedsbrief an Elizabeth Taylor, David Bowies Antwort auf seinen ersten Fanbrief oder den Protestbrief von Marge Simpson an die frühere First Lady Barbara Bush. Sie können dieses Buch auf mehrere Arten lesen: von vorne nach hinten, von hinten nach vorne oder einfach an einer beliebigen Stelle. Egal, welchen Brief Sie aufschlagen – jeder ist eine unersetzliche historische Momentaufnahme, die der Menschheit nicht verloren gehen darf. Lesen Sie! Und staunen Sie!

Meine Meinung
Natürlich lässt sich hier nicht die Qualität der einzelnen Briefe bewerten, das wäre so als würde man ein Geschichtsbuch danach beurteilen, wie gut die abgedruckten Reden verfasst wurden. Dennoch möchte ich anmerken, dass es wirklich interessant war, die verschiedensten Schreibstile zu beobachten. Sei es jemand, der seinen Partner verlässt, jemand, der sich über etwas beklagt oder jemand, der einfach nur dankbar ist. Jedes Mal musste ein anderer Ton angeschlagen werden. Und auch die verschiedenen Leser haben ihren Teil wunderbar dazu beigetragen! Mal einfühlsam, mal fast ein bisschen rüpelhaft passten sie sich jedem Brief und jeder Situation individuell an und von diesen gibt es wirklich ein breites Spektrum!


Sehr beeindruckend ist auch die Reichweite an Personen, die hier aufgegriffen wurden. Von wahren Legenden, wie David Bowie, über unerreichte Größen, wie Jane Austen oder wunderbare Weltenschaffer, wie J.K. Rowling. Jeder kennt ihr den einen oder anderen Verfasser oder Empfänger und selbst Namen, die einem so gar nichts sagen, wirken im Nachhinein gleich vertrauter. Mal ganz davon abgesehen ist es auch nicht nötig jede Person zu kennen, denn kurz, prägnant, teilweise auch ziemlich unterhaltsam, wird vor jedem Brief eine Erklärung abgegeben, um wen es sich handelt und ein wenig Background-Information gegeben, sodass diese Unbekanntheit dem Verständnis keinen Abbruch tut.


More Letters of Note - Briefe für die Ewigkeit ist definitiv ein emotionales Werk. Mal lässt es die eine oder andere Träne kullern, mal einfach nur herzhaft lachen und mal lässt es einen in Unverständnis zurück. Auf jeden Fall zeigt es aber, was für wunderbare Zeitzeugen geschriebene Briefe sein können, deren Macht nicht zu unterschätzen ist.

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Danke an RandomHouse audio für dieses bewegende Rezensionsexemplar!

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