Mittwoch, 12. April 2017

Rezension | Cavaliersreise

Cavaliersreise - Die Bekenntnisse eines Gentlemans | Mackenzi Lee | Königskinder Verlag | HC | 496 Seiten | 19,99€ | ✼✼✼✼✼


Klappentext
Gibt es ein abschreckenderes Beispiel für junge Bildungsreisende als Sir Henry Montague? Nach Montys Cavaliersreise wird der englische Adel seine Sprösslinge bestimmt nie wieder auf den Kontinent schicken. Irgendwie ist er immer in einer Tändelei verwickelt. Oder betrunken. Oder zur falschen Zeit am falschen Ort. Nackt! Kein gutes Vorbild, weder für seine Schwester Felicity noch für seinen Jugendfreund Percy. Doch Monty will keinen Augenblick vergeuden, denn bald heißt es zurück zum gestrengen Herrn Vater und die Standespflichten wahrnehmen. Montys Unbesonnenheit aber bringt sie alle in unvorhergesehene Schwierigkeiten und bald sind Wegelagerer und Piraten sein geringstes Problem. Ganz zu schweigen von seiner unausgesprochenen und unerfüllten Liebe zu Percy.

Meine Meinung:
Ich muss ganz ehrlich sagen: Seit ich das erste Mal das Cover gesehen und den Klappentext gelesen habe, war ich in dieses Buch verliebt! Die relativ schlichte, aber doch auffallende Gestaltung spiegelt auch den Inhalt wunderbar wieder. 
Mackenzi Lee ist eine Autorin bei der man wirklich merkt, wie viel Herzblut sie beim Schreiben in jeden einzelnen Satz fließen ließ, denn zum Einen ist dieser Roman unfassbar gut recherchiert und zum Anderen ist ihr Schreibstil sprachlich auf einem Niveau, dass für echte Konkurrenz ziemlich suchen muss.
Die Idee der Cavaliersreise hat mich von Anfang an begeistert. Sie ist wohl mit einem Auslandsjahr vergleichbar, das viele von uns nach dem letzten Schuljahr einlegen, nur eben im 18. Jahrhundert. So kommt es, dass mich ein historischer Roman begeistert, obwohl ich während meiner gesamten Schulzeit bekennende Geschichte-Hasserin war. Was ich an dem geschichtlichen Aspekt hier mochte war, dass zwar die Gesellschaft mit ihren Normen und Bräuchen sehr zentrales Thema war, die Politik allerdings eher marginal angerissen wurde. Zudem schafft die Autorin es ein geniales sprachliches Gleichgewicht zwischen unserer heutigen Alltagssprache und der, der damaligen Zeit zu schaffen. Auf diese Weise passt auch die Wortwahl der Protagonisten gut in die beschriebene Epoche, wirkt aber nicht gekünstelt oder aufgesetzt und ließ mich einen guten Zugang zu den Figuren finden.
Diese habe ich annähernd sofort ins Herz geschlossen. Es war wirklich besonders, wie vielschichtig Mackenzi Lee ihre Charaktere innerhalb eines einzigen Buches zeichnen konnte. Monty zum Beispiel ist ziemlich chaotisch, leidenschaftlich und impulsiv, hat aber auch eine sehr ruhige und selbstkritische Seite an sich, die er nur wenigen Personen offenbart. Percy ist sein Fels in der Brandung und mit seiner ruhigen und besonnenen Art ein echter Freund. Während der Eine allerdings für den anderen schwärmt, bemerkt er gar nicht unbedingt dessen Probleme, was zu einigen Komplikationen in ihrem Verhältnis führt. Felicity, Montys Schwester ist ebenfalls eine besondere Figur. Sie wirkt auf den ersten Blick zwar sehr unscheinbar und vielleicht auch etwas langweilig, allerdings ändert sich dies doch recht schnell und man merkt wie weit sie (und im Übrigen auch die anderen beiden) ihrer Zeit voraus ist. 
Ich habe wirklich im Vorfeld auf diese Rezension wirklich versucht kontroverse Gedanken zu finden, um nicht nur in einer Tour zu schwärmen und mehr oder weniger zusammenhangslos zu fangirlen. Ich habe auch extra ein wenig Zeit verstreichen lassen, damit sich meine Begeisterung etwas legen kann. Aber so leid es mir tut (eigentlich zwar nicht, aber egal ;D): Ich kann nichts Schlechtes, Enttäuschendes oder anderweitig Unbefriedigendes an Cavaliersreise finden.
Fazit
Ich bin sämtlichen Charakteren, der Handlung, dem Schreibstil und jedem sonstigen Detail der Cavaliersreise verfallen. Mackenzi Lee konnte mich mit diesem Roman unfassbar beeindrucken. Sie greift Elemente auf, die ich definitiv nicht erwartet hätte, setzt alles in einen wunderbar recherchierten historischen Kontext und hinterlässt ein Fernweh nach fernen Orten und Zeiten.

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Kommentare:

  1. Hey Mareike,

    Süß ein Zusatzsternchen :) Diese Entscheidung kann ich nur zu gut verstehen, denn das Buch war wirklich großartig.

    Dabei hats mir Monty am Anfang sehr schwer gemacht, ihn zu mögen, erst im Verlauf und mit seinem Wandel hab ich ihn ins Herz geschlossen.

    Ein tolles Königskind ;)

    Liebe Grüße Ina

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    1. Ich stimme dir absolut zu, Ina! Ich liebe es und ich freue mich so, dass ein so tolles Buch in Deutschland verlegt wurde. Das ist ja leider nicht selbstverständlich... Ich mochte Monty wirklich von Anfang an, aber ich kann absolut verstehen, warum du es erst etwas schwer mit ihm hattest, er ist ja doch ziemlich eigen.
      Liebe Grüße,
      Mareike

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  2. Huhu

    ich fand das Buch auch echt gut. Es ist mein erstes KöKi gewesen und ich hab jetzt direkt noch ein paar geordert :)

    Liebste Grüße
    Sonja

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    1. Hey Sonja,
      dass du hiernach gleich Nachschub brauchst, kann ich echt verstehen :D Ich bin inzwischen auch ein bisschen süchtig nach den KöKis, aber momentan habe ich ein lockeres Buchkaufverbot, deswegen ziehen vorläufig keine weiteren Bücher ein... Aber danach wieder :D
      Alles Liebe,
      Mareike

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  3. Was du beschreibst, ist genau das, was ich mir von diesem Buch versprochen habe. Also muss ich es wohl alsbald von der Wunschliste holen und lesen. <3

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    1. Mach das unbedingt! Wie gesagt: Es hat große Chancen ein Jahreshighlight zu werden und ich denke es wird zu den Büchern gehören, die ich irgendwann mal rereade, was bei mir echt selten der Fall ist!
      Alles Liebe <3

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